Traditionelle Boote der kroatischen Adria

Traditionelle Boote der kroatischen Adria

Wussten Sie, dass gerade in der Adria, genauer gesagt, in der Höhle Grapčeva Špilja auf der Insel Hvar, ein Keramikfragment entdeckt wurde, das, wie Wissenschaftler behaupten, die älteste (3500 v. Chr.) Abbildung eines Schiffes in Europa darstellt? Schon in urgeschichtlichen Zeiten war diese Einbuchtung des Mittelmeers ein wichtiger Schnittpunkt von Handelswegen, wir könnten auch sagen, ein Knotenpunkt der ersten Reisenden oder, wenn Sie wollen, der ersten Touristen.

 

Als strategisch äußerst bedeutender Raum wurde die Adria durch die Jahrhunderte hindurch von Griechen und Römern erobert und blieb fast drei Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Republik Venedig. All dies weist auf eine große Tradition des hiesigen Schiffbaus hin, die zahlreiche Einflüsse in sich aufnahm und ein reiches maritimes Erbe für ihren eigenen Bedarf hervorbrachte.

 

So hat fast jede Region der Adria, um nicht zu sagen jede Insel, ihren eigenen Bootstyp, der in Abhängigkeit von vorherrschenden Winden, Wellen und in erster Linie vom Zweck, von den Bootsbauern so gestaltet wurde, damit er seinen Besitzern möglichst gut dient. In jenen Zeiten machte der Schiffbau, wie auch heute, turbulente Zeiten durch, doch Wissen und Geschick im Schiffbau meisterten trotz allem die geschichtlichen Hindernisse und fanden einen Weg, die Seefahrer sicher in ihre Häfen zurück zu bringen, ganz gleich, ob es Fischer-, Handels-, oder Piratenboote waren.  

 

So bauten die illyrischen Einwohner in Zeiten der Antike und des mächtigen Römischen Reiches verschiedene Typen schneller Schiffe, die den Römern viele Schwierigkeiten bereiteten und sogar zu Piratenfahrten bis nach Griechenland zu gebrauchen waren. Das Erscheinungsbild dieser Schiffe wurde niemals zuverlässig rekonstruiert, doch einige davon, wie etwa die Liburne, ein schnelles zweirangiges Kriegsschiff, wurden auch von den Römern übernommen, und danach wurden die Lembul-Boote zu den heutigen Leut-Booten umgebaut. Manche behaupten sogar, der Stamm der Liburnen habe auch ein Schiff mit einem Seitenrad gehabt (Liburna Rotata), wie es erst ein paar Jahrtausende später in Gebrauch kam!

 

Erst zu der Condura Croatica, dem ins 11. Jahrhundert zurückgehenden Holzboot, das im Dienst der kroatischen Könige, insbesondere des Königs Petar Krešimir IV. stand, sind alle Einzelheiten zuverlässig bekannt.

Juraj Kopač
Nachdem das Boot im Hafen von Nin unter Wasser entdeckt wurde, diente es als Vorlage für einen Nachbau, der bei vielen Festen und Regatten traditioneller Boote, die in den Sommermonaten überall an der Adria stattfinden, zu sehen ist.

Die etwa zwanzig Meter langen Ruder- und Segelboote, wie etwa die Pfeile von Omiš (Sagittae), obwohl zu Handelszwecken benutzt, bereiteten den Veneziern solche Schwierigkeiten, dass der Papst von Rom im 13. Jahrhundert sogar zwei Kreuzzüge gegen die unerschrockenen Piraten von Omiš unternehmen ließ. Die Grundantriebsart im frühen Mittelalter war das Rudern; später wehten Lateiner-, und danach Quadratsegel an den Masten.

 

Die Boote wurden zweckbestimmt gebaut; so entstanden im Raum von Dubrovnik die Fusten, Brigantinen und Galioten. Mit der Ausweitung der Republik Dubrovnik als Handelsmacht und Brücke zwischen Ost und West wurden die Tonnagen der Schiffe immer größer und bekamen ernsthaft bemessene Segel, so dass die Einwohner Dubrovniks mit solchen Schiffen im ganzen Mittelmeerraum und darüber hinaus Handel betrieben. Die Nava- und Koka-Schiffe bildeten die Basis der Dubrovniker Flotte. Die Schiffbauer verwendeten bestimmte für die Hochsee-Schifffahrt charakteristische Merkmale und entwickelten einen neuen Schiffstyp, die Koka-Schiffe, und im 16. Jahrhundert die Karakun-Schiffe, womit ein gewisser Gipfel und die Vorherrschaft der Segelschiffe über die Ruderschiffe erreicht war.

 

Die Evolution dieser für ihre Zeit größten Handelsschiffe wickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert ab, als es an der gesamten Adriaküste zum Bau der Briggs und Brigantinen kam. Die Küstensiedlungen von Istrien bis Boka Kotarska sorgten mit ihren Werften für einen neuen kaufmännischen und sozialen Aufschwung, bis zur Einführung des Dampfschiffs und des ersten Schiffs mit Schraubenantrieb, das 1871 in Rijeka unter dem Namen Hrvat (Kroate) gebaut wurde.

Davor Rostuhar

Doch während die großen Handelsschiffe die Weltmeere eroberten, fußte die Küstenschifffahrt und oft das grundlegende Überlebensmittel auf kleineren Fischerbooten wie Guc, Batana, Gajeta (Falkuša), Leut, Brazzera, Štilac, Logger und anderen, ohne die die Wirtschaft der Insel- und Küstengebiete undenkbar und die kroatische Geschichte des Schiffbaus unvollständig wäre..

Und während einige der größeren Holz-Segelschiffe Touristen an der Adria spazierenfahren, verharren in kleinen Inselhäfen noch stolz die Gajeta- und Leut-Boote als ewiges Denkmal an die Seefahrer dieser Küsten. Den wahren Freunden der Geschichtsforschung im Stil des Indiana Jones verraten wir, dass an der St. Lukaskirche in Donji Humac und am Glockenturm St. Stephan in Stari Grad Schiffsabbildungen eingemeißelt sind. Es liegt also an Ihnen, sie zu finden und in sozialen Netzwerken mit dieser Entdeckung zu prahlen.

Damir Fabijanić

Wenn Sie zufällig in Rovinj sein sollten, dann besuchen Sie unbedingt das Museum der Batana, des istrischen kleinen Bootes, in Komiža auf der Insel Vis das Falkuša-Museum mit dem schnellsten und weltbekannten Boot, oder das Fischereimuseum in Vrboska auf der Insel Hvar.

Igor Turčinov / TZ Murter

Außer dem wunderschönen Museum des Holzbootbaus, das die komplette Geschichte des Boots als Ernährer der lokalen Bevölkerung erzählt, ist in Betina auf der Insel Murter der gesamte Hafendamm zu einer Freilichtausstellung umgewandelt worden, die sich diesen schönen Holzbooten widmet. Und deshalb: Nutzen Sie die Gelegenheit und besuchen Sie diesen einzigartigen Ort, der mit Stolz das Andenken an die tausendjährige Schiffbautradition dieser Gegenden wahrt.