Die Neretvamündung

Die Neretvamündung

Die Mündung des Neretva-Flusses ist mit seinem wilden und ungewöhnlichen Erscheinungsbild dermaßen bezaubernd, dass der Besucher bei seinem ersten Besuch darüber das Essen vergisst; in dem Boot, mit dem er sich durch das Labyrinth der vielen Flussärmel schlängelt, würde er sich sicherlich mit einem Sandwich begnügen, nur um sich auf die ständig wechselnden Landschaftsbilder konzentrieren zu können. Die Mündung der Neretva ist vor allem auch für Gastronomen ein Paradies auf Erden. Denn im Mündungsgebiet des Neretva-Flusses gedeihen unter der Erde, auf der Erdoberfläche, im Wasser und in der Luft Arten, die wie geschaffen sind für einen einzigartigen kulinarischen Hochgenuss.

 

Ihre erste Attraktion ist auf jeden Fall der Aal. An den Neretva-Aalen labte sich schon der römische Kaiser Vespasian, wie archäologische Funde im Ort Vid zeigen. Für seinen Geschmack sorgt schon das Wasser der Neretva: Gäste sind immer wieder überrascht, wenn sie sehen, wie die lokalen Fischer ihren Durst mit dem Wasser stillen, auf dem sie fahren.

 

Der Aalfang erfordert große Fertigkeit und Erfahrung, denn Aale sind schlangenartige, schnelle, schlüpfrige und gerissene Geschöpfe, die ihre Fähigkeiten durch ihr unwahrscheinliches Überleben zwischen ihren Brutplätzen im Saragossameer und ihrem Lebensraum an der Neretvamündung beweisen. Die größten Exemplare sind immer Weibchen, die Männchen sind nur halb so groß. Die Herbstaale sind dicker und fetter, aber die Frühlingsaale werden von den meisten Kennern mehr geschätzt.

 

Aber gerade der Fettgehalt des Aals bürgt für sein saftiges Fleisch, wenn er gekonnt zubereitet wird. Ein kleiner Spieß, an dem Aalstücke von fünf bis zehn Zentimetern aufgereiht werden, ist wahrscheinlich die beste Art der Aalzubereitung. Das Fett löst sich dann langsam auf, tränkt die Muskeln, und der Überschuss fließt ab. Aale werden auch auf dem Grill zubereitet, und aus ihnen wird Brudet gekocht. Im schwarzen Brudet sind die Aale meistens in Begleitung von Fröschen, der zweiten großen gastronomischen Attraktion der Mündung. Wildenten und Blesshühner runden dieses Angebot ab. 

Allerdings gehört die Mündung der Neretva zu den fruchtbarsten Regionen Kroatiens überhaupt, und bietet erstklassiges Gemüse, Obst (vor allem Mandarinen und Trauben) und Getreide, und deswegen sind zwei oder sogar drei Traubenlesen in dieser Gegend nichts Ungewöhnliches. Die Pflanzen wachsen so schnell, dass man es fast schon mit bloßem Auge sieht, und Sonne und Wasser sorgen ständig für eine spektakuläre Kraft der Natur, die sich an der Mündung der Neretva zu jeder Jahreszeit offenbart.